GEOGRAPHIES OF SOLITUDE

08.02.2023 20:00

Veranstalter / Texte: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.

CALIGARI - FILMPREIS 2022    |   'ZEITENWENDE ?!'  # 72 :  ÖKOLOGIE & (FILM)KUNST

Anläßlich der bevorstehenden Berlinale unsere alljährliche Präsentation des Caligari-Filmpreisträgers des Vorjahres: Die Auszeichnung ist der 'Preis der Kommunalen Kinos' auf der Berlinale und wird für einen ‚stilistisch und inhaltlich innovativen‘ Film in der Berlinale-Sektion 'FORUM' vergeben vom Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF) und dem filmdienst.de Preisträger'innen waren u.a. Claude Lanzmann, Nuri Bilge Ceylan, Béla Tarr oder Marie Losier. Weitwinkel unterstützt den renommierten Preis jährlich über den BkF. "GEOGRAPHIES..." erhielt die Auszeichnung bei seiner  37. Verleihung bei der Berlinale 2022 (mit zwei weiteren Auszeichnungen, dem Preis der Ökumenischen Jury und dem  CICAE Art Cinema Award).
Wir präsentieren den Film parallel im Kontext unserer längjährigen Reihe 'ZEITENWENDE ?! : # 72 verbindet innerhalb eines essayistischen Personen- und Ortsportraits die Themen Biodiversität und Vermüllung der Meere und Küsten in dokumentarisch-artifizieller Form, bei der sich Wirkungszusammenhänge der Ökologie und experimentell-mediale Verfahren von Film und Kunst bespiegeln.

Seit Jahrzehnten lebt Zoe Lucas überwiegend alleine auf Sable Island, einer rauen Insel vor Nova Scotia, an der Ostküste Kanadas. Die Naturschützerin kam als Kunststudentin in den 1970ern erstmals dorthin. Lucas' Studien zur Population verwilderter Pferde, für die die Insel bekannt ist, und allgemein zur Biodiversität haben sie zu einer geschätzten Expertin gemacht. Regisseurin Jacquelyn Mills begleitet sie und dokumentiert filmisch, wie Lucas jedes Detail des Lebens auf der Insel intensiv studiert. Auch das Sammeln erschreckender Mengen angeschwemmten Plastikmülls gehört zum Alltag der autodidaktischen Wissenschaftlerin, die ihn für eine Langzeitstudie zur Verschmutzung des Nordwestatlantiks säubert, sortiert und katalogisiert. Mills hält diese akribische Arbeit auf 16-mm fest und experimentiert dabei selbst mit innovativen, umweltfreundlichen Filmtechniken. Wissenschaft und Kunst verschmelzen in den Aktivitäten der beiden Frauen und bereichern sich gegenseitig. [nach: Berlinale, Forum 2022, Katalog /arsenal -institut e.V.)  |  Regisseurin Jacquelyn Mills (*1984, Sydney/Nova Scotia, Kanada) studierte Film und arbeitet als Regisseurin, Kamerafrau, Editorin und Sounddesignerin. Nach Kurzfilmen ab 2008 und dem mittellangen Film "In the Waves" (2017) ist Geographies of Solitude ihr Langfilmdebüt, das inzwischen mit insgesamt 19 (!) nationalen und internationalen Auszeichnungen bedacht wurde. Zu ihrem Film schreibt sie u.a.: "Zu einem Zeitpunkt, an dem die Umweltkrise dringlicher ist als je zuvor, glaube ich mit ganzem Herzen daran, dass das Kino einen Beitrag zum Heilungsprozess zwischen den Menschen und der Natur leisten kann. Ich habe meine Arbeit in den Dienst dieser Überzeugung gestellt. Als ich den Film beendet hatte, fühlte ich, dass er wie eine Flaschpost war. Sehen wir, wo sie landen wird."

Wir zeigen den Film In Kooperation mit dem Bundesverband kommunales Filmarbeit BKF e.V. /Frankfurt M. und dem arsenal - Intstitut für Film und Videokunst e.V./Berlin.

Aus der Begründung Jury des CALIGARI-Filmpreises, Berlinale 2022/FORUM:
"Jacquelyn Mills’ lyrische 16-Millimeter-Filmaufnahmen öffnen unsere Sensibilität für den Beziehungsreichtum der materiellen Welt. Sie lässt unsere Sinne teilhaben am Werden und Vergehen des Lebens und zieht uns hinein in das komplexe Zusammenspiel einer Ökologie. Der Film begleitet die Forscherin Zoe Lucas, die seit vielen Jahren allein auf der sonst unbewohnten Sable Island vor der Küste Kanadas lebt und mit großer Hingabe die Spuren jedes Lebewesens dokumentiert. Ebenso verzeichnet sie rigoros die Belastung der Umwelt durch Plastikmüll, (..). Dabei schafft Mills mehr als ein intimes Porträt, sie erforscht zugleich in experimenteller Weise die Empfindsamkeit des filmischen Materials im Kontakt mit seiner Umgebung. In diesen außergewöhnlichen Figurationen von Erfahrung wird eine unaufdringliche Schönheit spürbar, die zur Verantwortung für die Welt aufruft.“_(Jury Caligari-Filmpreis 2022)

"Sein expressionistischer Stil macht diesen Film zu einem wahrhaft intensiven Erlebnis, das uns auf eine poetische Naturreise durch die Landschaft und ihre Artenvielfalt mitnimmt, indem es eine intime Beziehung zwischen dem Protagonisten, dem Regisseur und dem Publikum herstellt. Wir sind wirklich der Meinung, dass dieser Film in der ganzen Welt gesehen werden muss, und wir hoffen, dass dieser Preis dazu beitragen wird.“_(aus: Begründung d. Jury des CICAE Awards, Berlinale2022)
 "Ein wunderbar wahrhaftiger Film. Und herausfordernd dazu."_(epd-film)
 "Mills zeigt die Natur auf dieser entlegenen Insel als einen Ort der Stille und des fortwährenden Werdens und Vergehens des Lebens. Die Entdeckung, dass Zoe Lucas im Zuge ihrer Arbeit die gewaltigen Mengen Plastikmülls im Nordatlantik dokumentiert, ist ein Schockmoment für die Filmemacherin und das Publikum und erzeugt so ein Bewusstsein für dieses dramatische ökologische Problem.“_(Begründung der Ökumenischen Jury, Berlinale 2022).
 "GEOGRAPHIES OF SOLITUDE ist eine die Zeit vergessen machende und immersive Erfahrung, wie es sie selten als Bewegtbild zu sehen gibt. Es kratz, knackt, knirscht, gluckst, tropft, raschelt und rauscht in diesem Film. Filmemacherin Jacquelyn Mills erkundet Sable Island nicht nur mit ihrer 16-mm-Filmkamera, sie hört ihr zu. Mittels spezieller Mikrofone gräbt sie sich förmlich ein in diesen gefühlt lebensfeindlichen Flecken Erde, der sich erstaunlich voll von Leben zeigt.“_(filmanzeiger.blogspot.com)
 "Ökologien sind Wirkungszusammenhänge. Das macht GEOGRAPHIES OF SOLITUDE auch durch die experimentelle Arbeit mit dem filmischen Material sichtbar. Mills beginnt die 16mm-Filmrollen im Mondlicht auf der Insel zu entwickeln. Algen und Pferdehaar verschmelzen mit dem Material, das sie im Dung versenkt. Mills bastelt sich Kontaktmikrofone, um die Geräusche der Käfer einzufangen und mit elektronischer Musik für den Zuschauer in eine abstrakte Sinfonie zu verwandeln.
Mills lotet auch die ästhetischen Mittel des Kinos aus, um Naturerfahrungen zu ermöglichen und zu figurieren. Ein Prozess, der Zeit und Ruhe braucht (..). Es ist die sinnliche Ebene, die Menschen an der Kommunikation der Welt teilhaben lässt und deutlich macht, wie man in sie eingebettet ist. Daraus ergibt sich auch eine ethische Dimension der Verantwortung.“_(filmdienst.de)

Kanada 2022 | dokumentarische Form | Regie / Kamera / Montage / Ton / Sound-Design / Co-Produktion: Jacquelyn Mills; Co-Kamera: Scott Moore; Co-Montage: Pablo Alvarez-Mesa; Co-Sound Design: Andreas Mendritzki; Musik: Island Sable; Co-Produktion: Rosalie Chicoine Perreault; Executive Producer: Brad Mills. Mitwirkende: Zoe Lucas ; DCP/1.85; Drehformat: 16mm analog; Farbe; DD 5.1; Sprachfassung: OmdU (englisch/ dtsch UT); FSK: (ungeprüft)/(ab 18 J.);  103 Min.

EP: € 5.00
Mitgl.: € 3.00

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