ERDE

20.11.2019 20:00

Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.

ZEITENWENDE ?!  # 58   |  REGIE: NIKOLAUS GEYRHALTER

Preis der Ökumenischen Jury - Belinale 2019/Sektion Forum

Die Reihe ZEITENWENDE?! #  thematisiert  ökologische und ökonomische,  soziale, poliltische und philosophische Fragen der Zeit. Im  Film # 58  führt uns Nikolaus Geyhalter in eindrücklicher Visualität vor Augen, mit welcher Intensität die Spezies Mensch heute die Oberfläche des Planeten Erde 'bearbeitet' - aber nicht nachhaltig erhält, ergo: zerstört. Der spanische Archäologe. Luis Iglesias Garcia im Film: „Der Mensch lernt aus nichts und noch weniger aus der Geschichte. Ich weiß nicht, warum.!
Ein Porträt der Erde im Anthropozän, in dem der Mensch der entscheidende Faktor für die fundamentalen Veränderungen des Planeten ist. Filmemacher Nikolaus Geyrhalter zeigt konkret in 7 Kapiteln 7 Orte, an denen der Mensch die Oberfläche der Erde gewaltig umgestaltet, mehrere Milliarden Tonnen jährlich bewegt: das Versetzen ganzer Berge in Kalifornien, das Durchbohren des Gebirges am Brenner, ein Kohletagebau in Ungarn, ein Marmorsteinbruch in Italien, eine Kupfermine in Spanien, das Salzbergwerk mit Atommülllagerung in Wolfenbüttel und eine Ölsandabbaulandschaft in Kanada. Aufsichten zeigen die Terrains zunächst als abstrakte 'Gemälde', anschließend erforscht der Film on the ground das Gelände, beobachtet Maschinen bei der Arbeit und verwebt dies mit Gesprächen mit den Arbeiter*innen. Neben Aussagen zu Arbeitsprozessen, Umweltschäden und Technologiewandel lässt Erde in seiner subtilen Reduziertheit diese gemachte Welt auch in besonderer Weise sichtbar werden: die grauen Haufen, Hügel und Berge. Die Schwärze und die Risse. Die sandigen Landschaften, durchquert von einer Vielzahl verschiedenster mechanischer Hilfsmittel, die wie Raupen oder Regenwürmer hin- und herkriechen. Die Dimensionen sind gigantisch, die Relationen abhandengekommen, die Welt ist dem Menschen entglitten. [nach: Berlinale/Forum,Katalog]
Regisseur, Autor, Kameramann und Produzent Nikolaus Geyrhalter (*1972/Wien) ist einer der wichtigsten europäischen Kino-Dokumentarfilmer der Gegenwart. Seine Filme -  u.a. UNSER TÄGLICH BROT(2005), ELSEWHERE(2001), PRIPYAT (1999) - sind vielfach preisgekrönt  und zeichnen sich durch einen oft kommentarlosen, visuellen Panoramastil mit präzise gestalteten und montierten Bildern aus. Mehr als 60 Kino- und TV-Dokumentationen hat er mit seiner NGF-Produktion seit 1994 realisiert und produziert inzwischen auch Spielfilme und Serien.
Geyrhalter zu seinem Film: „Einer  der wesentlichen Aspekte des Anthropozän-Konzepts ist der geologische, wonach der Mensch inzwischen wesentlich mehr Erdoberfläche verschiebt als die Natur das macht. Betrachtet man die Erde als Organismus, dann ist die Erdkruste als Haut das filigranste Organ. Ich wollte mir die Wunden genauer ansehen, die wir der Erde zufügen.  Mir war wichtig, Orte und Handlungen zu zeigen, die Assoziationen auslösen und nachdenklich machen."

„Einmal mehr beweist Geyrhalter, dass er im internationalen Kino einzigartig ist ... Er untermauert dies mit unheimlichen und überwältigenden Landschaftsaufnahmen, die mittlerweile zu einem unverwechselbaren Merkmal seiner Arbeit zählen: Bilder von Kubrick‘scher Fremdartigkeit, wie Aufnahmen von einem anderen Planeten: Ein entfernter, düsterer und mineralreicher Mond, den wir rücksichtslos ausbeuten, weil er uns egal ist.“_(The Guardian)
„Einer der wichtigsten und ergreifendsten umweltpolitischen Dokumentarfilme der  vergangenen Jahre.“_(Cineuropa)
„'Erde' hält den Raubbau am Planeten in schmerzhaft klaren Bildern fest."_(edp-film)
„ERDE nennt Geyrhalter sein gewohnt formschönes Doku-Porträt und zeigt spektakuläre Ansichten von der Verwüstung unseres Planeten.“_(Kurier)
„Die Bilder sind nicht selten Totalen, in denen man sich verlieren kann und die es einem ermöglichen, die gezeigte Welt auf eigene Faust zu entdecken. Das ist nicht selbstverständlich in der stets gescripteter werdenden Welt des dokumentarischen Erzählens. Es ermöglicht dem Publikum mehr 'Luft' zum Atmen.“_(Wiener Zeitung)
„Die Ökumenische Jury verleiht ihren Preis an ERDE für die Beschreibung der Verwüstung unseres Planeten durch menschliches  Eingreifen – ein drängendes Thema unserer Zeit. Dieser Dokumentarfilm zeigt brennend scharfe Bilder von der Zerstörung der Topographie der Erde und ebenso offenherzige Gespräche mit Arbeitern, Ingenieuren und Wissenschaftlern. Die Jury hebt besonders das Klagelied einer indigenen Kanadierin für Mutter Erde am Ende des Films hervor, das uns dazu einlädt, unsere Verantwortung zu reflektieren."_(Aus der Begründung der Jury – Preis der Ökumenischen Jury, Berlinale Forum 2019

(EARTH) Österreich  2019; Regie / Kamera / Produktion: Nikolaus Geyrhalter; Regieassistenz/Aufnahmeleitung: Sophia Laggner, Evelyne Faye-Horak; Ton: Pavel Cuzuioc, Simon Graf, Lenka Mikulová,Hjalti Bager-Jonathansson, Nora Czamler; Kameraassistenz: Christoph Grasser, Sebastian Arlamovsky, Thomas Cervenca, Simon Graf, Alexander Gugitscher, Felix Krisai; Schnitt: Niki Mossböck; Sound Design: Florian Kindlinger; Produzenten: Michael Kitzberger, Markus Glaser,Wolfgang Widerhofer, Nikolaus Geyrhalter; Dcp/1:1,85/2K; (Drehfassung: 4K); Farbe ; DD5.1; OmdU (Englisch, deutsch, ungarisch, italienisch, spanisch /dtsch. UT) ; FSK: ab  12 J.; 115 Min.

EP: € 5.00
Mitglieder: € 3.00

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