DIE MÖLLNER BRIEFE
10.12.2025 19:30
Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V. Bitte allgemeine Infos am Ende der Seite beachten.
UN-TAG DER MENSCHENRECHTE (10. DEZ.) | DER ANSCHLAG VON MÖLLN | AI-FILMPREIS
Zum UN-Tag der Menschenrechte (10. Dez.) in Kooperation mit AMNESTY INTERNATIONAL Regionalgruppe Singen/Radolfzell und dem ‚Bündnis DemokraTwiel‘ Singen. | Mit Infoständen, Statements u. Einführung sowie Petitionen und 'Brief'-Aktionen von AI (www.amnesty.de) |
• Amnesty International Filmpreis + Panorama Publikumspreis - 75. Berlinale 2025
• Roman Brodmann Preis 2025
»Im November 1992 zerstörte der rassistische Brandanschlag von Mölln die Leben von İbrahim Arslan und seiner Familie. Der damals siebenjährige İbrahim überlebte, verlor aber seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. Die Stadt Mölln erhielt Hunderte Briefe mit Solidaritätsbekundungen, von denen aber fast drei Jahrzehnte niemand Notiz nahm. Der Film folgt İbrahim bei der Entdeckung dieser Briefe und bei der Begegnung mit drei ihrer Verfasser*innen. Zugleich zeichnet er ein komplexes Porträt des anhaltenden Traumas, das İbrahim und seine Geschwister bis heute beeinträchtigt. İbrahim hat einen Umgang mit den Geschehnissen gefunden, indem er aktiv gegen Rassismus kämpft und sich für eine Erinnerungskultur einsetzt, die die Opfer ins Zentrum stellt. Sein Bruder Namik hingegen befindet sich noch am Anfang seines Wegs der Bewältigung. Der Film beleuchtet nicht nur die Erfahrungen der Überlebenden, er deckt auch die große Solidarität auf, die es damals gab – eine Solidarität, von der die Opfer bis zu diesem Zeitpunkt nichts wussten. Er schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und nimmt eine Perspektive des Erinnerns ein, die den Stimmen der Betroffenen den Raum und die Anerkennung gibt, die sie verdienen.« _[75. Berlinale 2025, Panorama/Katalog/filmportal)
Neben dem AI-Filmpreis wurde der Film von Regisseurin und Autorin Martina Priessner (*1969) auch mit dem Roman-Brodmann-Preis gewürdigt für ein „herausragendes Werk des politisch-investigativen und gesellschaftlich relevanten Dokumentarfilms“, vergeben vom Institut für Medien- u. Kommunikation und dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart. Zum Ansatz ihres Films schreibt Priessner: „Wie konnte es sein, dass diese so wichtigen solidarischen Botschaften nie bei den Opfern des rassistischen Anschlags ankamen? Und was sagt das eigentlich über den Umgang dieser Gesellschaft mit Opfern von rechtem Terror aus?“
Regisseurin Martina Priessner (*1969) studierte Sozial- und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin, arbeitet als freie Filmemacherin und Autorin in Berlin, u.a. zur Deutsch-Türkischen Migration. Zum Ansatz ihres Films schreibt sie: “Wie konnte es sein, dass diese so wichtigen solidarischen Botschaften nie bei den Opfern des rassistischen Anschlags ankamen? Und was sagt das eigentlich über den Umgang dieser Gesellschaft mit Opfern von rechtem Terror aus?“
“Eine unerhörte Geschichte über verdrängte Solidarität.“_(DIE ZEIT)
„Der Film gewinnt den Amnesty-Filmpreis, weil er zeigt, was Menschlichkeit in dunklen Zeiten bewirken kann. In der heutigen Welt, in der sich Viele so hilflos fühlen, zeigt er auf, wie eine ganz kleine Geste – das Briefeschreiben – bei den Betroffenen Großes bewirken kann. (…) (Er) zeigt aber auch in radikaler Härte die familiäre Last, (…) zeigt auf, was der Anschlag der Familie über Generationen angetan hat. (…) Es hätte das Leid der Familie gelindert, wenn sie von der Solidarität gewusst hätte.“_(Jury Amnesty International Filmpreis, Berlinale 2025/Auszug Begründung)
„Die filmische Umsetzung ist geprägt von großer Nähe zu den Protagonist*innen, ohne ihre Perspektive zu vereinnahmen. Die Montage verwebt Archivmaterial, aktuelle Begegnungen und poetische Einstellungen zu einem reflektierten und bewegenden Narrativ. Der Film gewährt Raum für Stille, Schmerz und auch Hoffnung – getragen von einem respektvollen und kollaborativen Verhältnis zwischen Betroffenen und Kamera. (...) Die multiperspektivische Erzählweise (Betroffene, Unterstützer*innen, Institutionen) hinterfragt dominante Praxen von Erinnerungskultur, zeigt strukturellen Rassismus auf und macht deutlich, dass Archive und Institutionen keine neutralen Räume sind: Sie üben Macht und Kontrolle über Narrative aus und können verhindern, dass an die Perspektiven Betroffener erinnert wird.“_(VISIONKINO)
„Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm von Martina Priessner kreist um ein historisches Ereignis – könnte aber nicht aktueller sein. (…) Der Film arbeitet gegen den alltäglichen Rassismus, indem er seine ganze Aufmerksamkeit den Betroffenen schenkt. Die Kamera von Ayşe Alacakaptan und Julia Geiß begleitet mitfühlend İbrahim bei seinen Versuchen, das Behördenversagen zu ergründen, zu Gesprächen mit den Briefschreibern von damals und anderen Opferfamilien. Inmitten der Trauer lassen die „Möllner Briefe“ Hoffnung aufscheinen: die zutiefst anrührenden Auszüge aus den Schreiben, Kinderzeichnungen und Postkarten belegen – „wir sind nicht alle so“.“_(Jury der Evangelischen Filmarbeit/ Film des Monats September 2025)
Deutschland 2025 | dokumentarische Form | Regie/Buch: Martina Priessner | Editorin: Maja Tennstedt | Bildgestaltung: Ayşe Alacakaptan, Julia Geiß, Ute Freund, Anne Misselwitz | Ton: Bilge Bingül, Ludwig Fiedler | Musik: Derya Yıldırım | Sounddesign: Robert F. Kellner (VDT) | Produzenten: Gregor Streiber, Friedemann Hottenbacher | Produktion: inselfilm produktion | Förderung: BKM + MBB | Mitwirkende: İbrahim Arslan, Hava Arslan, Namık Arslan, Yeliz Burhan u.a. | DCP/1:1.85 | Farbe | DD 5.1 | Pädagogische Empfehlung (VisionKino): ab 13 J. /8. KLasse | OmdU (deutsch/türkisch /dtsch. UT)| FSK: 12 J. | 96 Min.
EP: € 5.00
Mitgl.: € 3.00
BITTE BEACHTEN (WEITWINKEL-Kommunales Kino e.V.):
- Karten zum WW-Kino derzeit nur an
der Tageskasse (bei Matinee u. Kinderkino)
und an der Abendkasse jeweils vor der Veranstaltung.
- Nur Barzahlung.
- Keine Kartenreservierungen
.
- Keine nummerierten Plätze.
- Einlass / Kasse ab 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.
- Alle Filme i.d.R. mit einer Einführung und Trailern (zzgl.)
- Programmänderung vorbehalten.