DER BLUTSAUGER

07.06.2022 20:00

Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.

+++ Bitte lesen und beachten Sie die wichtige Informationen zur Einlass-Regelung und den Hygiene-Empfehlungen der neuen Corona-Verordnung des Landes (vom 3.4.22) auf dieser Seite unten nach den Credits ! +++

JUNGER DEUTSCHER FILM  # 100     |    REGIE:  JULIAN RADLMAIER

//  Einsnullnull: Film # 100 in unserer Kooperationsreihe „junger deutscher Film # JDF“ mit dem ZEBRA-Kino/Konstanz. Vielen Dank, werte ZEBRA-Kolleg*innen für die langjährige, geschätzte cineastische Kumpanei! - Wer hätte zu Beginn unserer gemeinsamen Dauerreihe, dass die 'Logline' zum 100. Film lauten würde: "Eine marxistische Vampirkomödie über die Sehnsucht und das Kapital"? - Irgendwie passend zur Bandbreite unserer Reihe. Was da wohl noch kommen mag? Wir werden weiter Ausschau halten und rechnen mit immer neuen Entdeckungen bei und mit Werken junger Filmschaffender im deutschen und deutschprachigen Kino, für das wir - die beiden kommunalen Kinos im Landkreis - die Leinwand offen halten wollten. Wir zählen weiter - und auf die Neugier unseres Publikums.  // WEITWINKEL-Kommunales Kino Singe e.V. //

„Goldene Lola“ - Deutscher Filmpreis (Bestes Unverfilmtes Drehbuch) 2019

In Kooperation mit  Zebra-Kommunales Kino Konstanz 

"(..) Mit dem Komischen lässt sich ideologischer Sinn dekonstruieren, aber auch so etwas wie ein „emanzipatorischer Widersinn“ konstruieren." _ Julian Radlmaier, Regisseur/Autor

August 1928: Der sowjetische Fabrikarbeiter Ljowuschka wird als Trotzki-Darsteller für den Film „Oktober“ des Regisseurs Sergei Eisenstein gecastet. Doch seine Träume vom Künstlerleben platzen, als der echte Trotzki bei Stalin in Ungnade fällt und er aus dem Film herausgeschnitten wird. So flieht der romantische Träumer aus der kommunistischen Heimat und will sein Glück in Hollywood versuchen. Noch steckt er allerdings in einem mondänen deutschen Ostseebad fest, wo er als verfolgter Aristokrat verkleidet das Geld für die Überfahrt nach New York zusammenstehlen will. Bei einem seiner Streifzüge lernt er die junge Fabrikbesitzerin Octavia Flambow-Jansen kennen, die die Sommermonate mit ihrem tölpelhaften Diener Jakob am Meer verbringt. Die exzentrische Millionärin interessiert sich für den geheimnisvollen Flüchtling und bietet ihm Unterschlupf in ihrem luxuriösen Herrenhaus. Schnell fliegt seine Tarnung auf, und noch schneller hat er sich in seine schillernde Gastgeberin verliebt – sehr zum Verdruss des literarisch ambitionierten Jakob, der ebenfalls für die Chefin schwärmt. Eine sommerliche Romanze bahnt sich an – dumm nur, dass in der Gegend Vampire ihr Unwesen treiben. Und noch dümmer, das Octavia selbst ein Blutsauger ist. [nach: Produktion/
Ausgehend von der peripheren Marx’schen Metapher vom "vampirischen Kapital" thematisiert der zweite Kinofilm von Julian Radlmaier im Erzählstil einer ironischen Farce und mit ironischer Fabulierlust überzeitliche Fragen der Klassengesellschaft und Kritik an Kapitalismus und Bürgertum und kommt im bewußt nicht konsequent durchgehaltenen Gewand eines Kostümfilms daher.
Sein Drehbuch wurde bereits vor Fertigstellung des Films mit dem Deutschen Filmpreis ('Goldene Lola') prämiert. Mit dem Film, der inzwischen auf mehr als 25 internationalen Festivals lief, schließt Radlmaier stilistisch so markant-eigenwillig dekonstruktiv wie unterhaltsam an sein originelles Debüt "Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes" von 2017 an, den wir seinerzeit in unserer JDF-Reihe präsentierten.
Regisseur Julian Radlmaier (*1984/Nürnberg) ist deutsch-französisch-schweizer Herkunft,  lebt in Berlin. Er studierte Regie an der Filmhochschule dffb, arbeitete als persönlicher Assistent von Werner Schroeter und hat verschiedene filmtheoretische Schriften des französischen Philosophen Jacques Rancière übersetzt und herausgegeben. Sein Kurzfilm Ein Gespenst geht um in Europa erhielt den Preis der deutschen Filmkritik 2013. Sein mitellanger Film Ein proletarisches Wintermärchen (2014) wurde weltweit auf renommierten Festivals wie Rotterdam oder der Viennale gezeigt und gewann Preise in Mexico (FICUNAM) und Brasilien (Olhar de Cinema). 'Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes' war 2017 sein Abschlussfilm an der dffb. Er hatte Weltpremiere auf dem Filmfestival in Rotterdam (Bright Future Award Competition) und in der Sektion 'Perspektive Deutsches Kino' auf der Berlinale 2017 seine deutsche Premiere. Das Drehbuch zu Blutsauger hat Radlmaierer in Form einer Filmerzählung unter gleichem Titel auch als 256-Seiten-Buch veröffentlicht, ausgestaltet mit fünzig Illustrationen des Comickünstlers Jan Bachmann (im August Verlag).
Radlmaier über einen Film:  "BLUTSAUGER ist kein klassischer Historienfilm „über“ die Zwanziger. Und historische Parallelen sind sowieso mit Vorsicht zu genießen. Eher interessiere ich mich für bestimmte strukturelle Fragen, die gewissermaßen aus einer doppelten historischen Perspektive betrachtet werden, in der die Gegenwart die Vergangenheit verfremdet und vice versa.
So ist BLUTSAUGER vor allem ein Film über die verführerische Bannkraft des bürgerlichkapitalistischen Subjekts, über die Schwierigkeit menschlicher Beziehungen in der Klassengesellschaft, über den Zwang zur Arbeit und das Recht auf Faulheit, über die Verfügung über die eigene Zeit und den eigenen Körper, die strukturelle Funktion von Rassismus, über Abstiegsängste, Aufstiegsfantasien und die alte Frage, ob man es sich als Einzelner gemütlich machen kann in unwirtlichen Verhältnissen, ohne sich zu korrumpieren. (....) Sprache spielt in meinen Filmen eine wichtige Rolle, und zwar auf eine Art, die nicht versucht, typische Sprechweisen naturalistisch abzubilden, sondern eher literatische Bezugspunkte hat. Aber auch die Fabulierlust meiner Plots hat literatische Inspirationsquellen. "

"(Eine) kühne Mischung aus Marxismus, Kostüm- und Vampirfilm. Mit bösem Witz reflektiert Radlmaier nicht nur Fragen der Klassengesellschaft, die heute noch gültig sind, neben der obligatorischen Kritik an Kapitalismus und Bürgertum zerlegt er auch genüsslich so manche Marotte buchstäblicher Salonlinker und die Selbstüberschätzung intellektueller Besserwisser, die der Arbeiterklasse die Welt erklären wollen. (...) Sein Tonfall ist selbstironisch-distanziert, die geschliffen-schillernden, anspielungsreichen Dialoge werden von den Darstellern gegen jeden Naturalismus vorgetragen, dass es eine wahre Freude ist. Darüber hinaus ist
""Blutsauger" (...) auch eine Hymne auf die Magie und die Tricks des Kinos. Ein feinperlig cinephiles Vergnügen."_(epd-film)

"BLUTSAUGER ist Diskurskino, ohne spröde oder larmoyant zu sein.“_(filmdienst.de)

„Vielleicht ist es gerade der Unernst von Radlmaiers Kino, der ins Schwarze trifft.“ _(Die Zeit)

„(BLUTSAUGER)beweist nicht nur, wie weit man Ironie entwickeln kann, sondern auch, wie gut sich Theorie in Filmpraxis übersetzen lässt“_(tip Berlin)

„Vielleicht ist es gerade der Unernst von Radlmaiers Kino, der ins Schwarze trifft.“ _(Die Zeit)

„Eine wunderbar ironische, absurde Komödie.“_(Szene Hamburg)

Deutschland 2021 | Fiktionale Form | Regie / Drehbuch / Schnitt: Julian Radlmaier; Kamera: Markus Koob; Tonmischung: Matthias Lempert; Szenenbild: Reinhild Blaschke; Casting: Julian Radlmaier, Ulrike Müller, Sara Wendt, Bastian Gascho, Ewelina Rosinska; Musik und Titelsong: Franui; Produzent: Kirill Krasovski; in Koproduktion mit WDR/arte, The Post Republic, Maier Bros. und Ludwig Kameraverleih; DarstellerInnen: Alexandre Koberidze, Lilith Stangenberg, Alexander Herbst, Corinna Harfouch, Andreas Döhler, Daniel Hoesl, Mareike Beykirch, Kyung-Taek Lie, Darja Lewin Chalem u.a.; DCP/1:1,66; Farbe; DD5.1; DF; FSK: ab 12 J.;125 Min.

EP: € 5.00
Mitgl.: € 3.00

+++ WICHTIGE INFOS UND REGELUNGEN WEITWINKEL-KINO -
Bitte lesen und beachten !  +++
+++ Mit der Corona-Verordnung des Landes vom 03.04.22)  entfallen "weitreichende Schutzmaßnahmen", so entfällt die 3G-Nachweispflicht ab sofort; ebenso die Maskenpflicht.
+++  FFP-2-(KN95)-Masken bleiben weiterhin empfohlen: Aufgrund der weiterhin hohen Zahl von Infektionen folgen wir der Empfehlung der Landesregieung (CoV. vom 3.4.22) und bitten vorerst unser Publikum um freiwilliges Tragen eines Mund-u. Nasenschutzes (ohne Pflicht). Dies gemäß folgender Passage aus der Corona-Verordnung BW vom 3.4.22:
>>" (...) Nach den bisherigen Erfahrungen in der Pandemie hat sich das Tragen einer Maske als besonders wirksames Mittel zum Eigen- und Fremdschutz erwiesen. Die Landesregierung empfiehlt daher dringend, weiterhin eigenverantwortlich eine Maske zu tragen sowie einen Mindestabstand zu anderen Personen einzuhalten. (...) Folgende Maßnahmen sind in der neuen Corona-Verordnung (Gültigkeitszeitraum vom 3. April bis 1. Mai 2022) vorgesehen:
- Abstands-, Masken- und Hygieneempfehlung (§ 2 CoronaVO)
(...)" <<
 +++ Wir führen wir bis auf weiteres vereinseigene Hygienemaßnahmen fort: Plexiglasscheibe an der Kasse, Desinfektionsmittelspender, reduzierte Platzanzahl für ausreichende Abstände etc.
+++ Sehen sie bitte bei typischen Erkältungssymptomen von einem Kinobesuch ab! +++ Eintrittskarten / Sitzplätze
•    Eintrittskarten nur an der Abend-/Tages-Kasse erworben werden (Nur Barzahlung), ab 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.
•    Es sind KEINE RESERVIERUNGEN derzeit möglich.
•    Wir behalten vorerst freiwillig eine Limitierung unseres Platzangebots bei ca. 60% unserer Kapazität bei.
+++ Allgemeine Regeln und Hygiene-Empfehlungen
•    Bitte kommen Sie nur ins WW-Kino, wenn Sie sich nicht gesund fühlen bzw. typische Krankheitssymptome bemerken (Husten, Halsweh, Verlust Geruchs-/Geschmackssinn etc.).
•    Bitte nehmen Sie Rücksicht aufeinander.
•    Wir bitten um Beachtung der allgemein empfohlenen Hygieneregeln (s.o): Händedesinfektion (Desinfektionsmittel steht an der Kasse zur Verfügung), Mindestabstände, Hust- und Niesetikette etc.
+++ Corona-Verordnung:
•  Die aktuelle Corona-Verordnung der Landesregierung finden Sie >> hier >>  [Hyperlink] [ web-adresse/Link: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/neue-corona-verordnung-ab-3-april-2022/]
++ Bei Änderung der amtlichen Corona-Regeln, passen wir unsere Vorgaben an.
Alle amtlichen Informationen hier sind nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben, Angaben dennoch ohne Gewähr.


Wir DANKEN sehr für Ihr Verständnis und Ihre solidarische Unterstützung
und wünschen ein bereicherndes Kinoerlebnis!

 _ Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V. _

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