CAPERNAUM

24.03.2019 19:30

Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.

MIGRATION _ (ZU)FLUCHT _ HEIMAT # 17  |  KINDER-WELTEN  # 1

Was/Wie erzählt und berichtet das Kino zu  Migration, (Zu)Flucht, Heimat-Suche ? –Film # 17:  Der Libanon lebt heute - in Relation zur Gesamtbevölkerung – ein immens hoher Anteil von  Flüchtlingen.  Vom Lebens-„Chaos“ dieser Menschen und gleichsam vom ‘Elend der Welt‘ erzählt dieser Film  so konkret wie  parabelhaft und die Kraft der Empathie freisetzend, die Realitäten verdichtend, zwischen Anklage und einem Lächeln der Hoffung. Weitwinkel beginnt zugleich eine lose Reihe mit Filmen, deren Geschichten sich durch die Perspektive von Kindern  vermitteln: „Kinder-Welten“. | ‘Caphernaum‘ (aus dem Hebräischen) meint im Arabischen,  auch im Französischen: „ungeordnete Ansammlung von Objekten“ oder „Chaos“.

Großer Preis der Jury - Internationale Filmfestspiele Cannes 2018
Preis der ökomenischen Jury - Int. Filmfestspiele Cannes 2018
Nominierung- Academy Awards/OSCARS®: Bester fremdsprachiger Film 2019

Beirut/Libanon: Zain verbüßt eine fünfjährige Haftstrafe, doch in einem weiteren Prozess tritt er als Kläger auf - und verklagt seine eigenen Eltern. Unterstützt von einer Anwältin, legt Zain vor dem Richter seinen Fall dar. In Rückblenden erzählt der Film seine Geschichte: Zain lebt mit seiner Familie in einem Slum von Beirut. Seinen Geburtstag kennt er nicht, er hat keine Papiere und geht nicht zur Schule, sondern erledigt kleine Jobs. Seine Eltern sind bitterarm; sie halten sich und die Kinder über Wasser, indem sie Drogen ins Gefängnis schmuggeln. Als sie Zains elfjährige Schwester an einen sehr viel älteren Kleinhändler verheiraten – für ein paar Hühner – reißt der verzweifelte Junge aus. Auf einem Jahrmarkt lernt er die Äthiopierin Rahil kennen. Sie hat keinen legalen Aufenthaltsstatus im Libanon und ist allein mit ihrem Baby. Trotz genug eigener Probleme, nimmt sie Zain in ihrer winzigen Unterkunft auf... -

Regisseurin Nadine Labakí (*1974, Baabda/Libanon) wuchs während der Bürgerkrieges im Libanon auf und studierte bis 1997 „Audiovisual Studies“ an der Saint-Joseph-Universität. Sie arbeitete zuerst als Regisseurin von Werbefilmen und Musik-Videos für populäre Künstler aus der Region und erhielt mehrere Auszeichnungen. International ist sie immer wieder als Schauspielerin tätig. Als Filmemacherin erlangte sie auch in Europa Aufmerksamkeit mit Ihrem Kinodebüt 'CARAMEL' (2007, Regie, Co-Autorin, Schauspiel) über fünf Frauen, die in Beirut einen Schönheitssalon führen. Ihr zweiter Film 'Et Maintenant, On Va Où?'(2011) gilt bis heute als erfolgreichster libanesischer Film im eigenen Land. Ihr dritter Film CAPHERNAUM erhielt bei den 71. Filmfestspiele von Cannes 2018 minutenlange Ovationen und den ‚Großen Preis der Jury‘. Im selben Jahr wurde sie in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in den USA berufen.
Nadine Labaki über ihren für einen OSCARS® nominierten Film CAPERNAUM“: „Der Film ist Fiktion, mit all den Elementen, die ich während meiner Recherchen erlebt habe und deren Zeugin ich wurde. Nichts entstammt der Fantasie oder ist erfunden. Im Gegenteil. (...) Der Kampf dieses misshandelten Jungen, dessen Eltern ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, klingt wie der Schrei all derer, die von unserem System vernachlässigt werden. Eine universelle Anklage durch die Augen eines Kindes…“_(Nadine Labaki, Regie)

"Mit großer Zugewandtheit, aber relativ nüchtern schildert das auf intensiven Recherchen beruhende Drama den ausweglosen Kampf ums Überleben. Der von einer großen Menschlichkeit getragene Film konfrontiert mit erschütterndem Elend, hält Sentimentalität wie Zynismus aber gleichermaßen auf Distanz. Ein ebenso bewegender wie kluger, weitgehend von Laienschauspielern grandios gespielter Film."_(filmdienst.de)
"Nadine Labakis mehrfach ausgezeichneter Film wäre als Sozialdrama unzureichend beschrieben. Schon die Rahmenhandlung (...) gibt „Capernaum“ etwas Exemplarisches und Parabelhaftes, (...) die Geschichte entfaltet sich als ein Crescendo des Elends, erschütternd und erschreckend in ihrer Ausweglosigkeit. So entsteht das Bild einer überforderten Gesellschaft, das Porträt eines Landes, das im Kreuzfeuer der internationalen Politik buchstäblich aufgerieben wird."_(Jury der Evangelischen filmarbeit, Film des Monats Januar 2019)
“Der vielleicht traurigste und ergreifendste Film des Jahres. (...) Zains Geschichte ist keine Fiktion, sondern passiert millionenfach – weltweit. Und eben das macht diesen Film auch so erschütternd: wie Leben weitab jeglicher Menschenrechtskonventionen stattfindet, wie ein System von Ausbeutung und Unterdrückung sehr real funktioniert. Gedreht hat Labaki ausschließlich mit Laien, die zum Teil selbst in den Umständen, die der Film anklagt, leben. Für Tausende andere Kinder bleibt das Elend Realität. Ihr Schicksal beleuchtet dieser Film auf packende und unvergessliche Weise.“_(ARD, ttt)
"Von großer epischer Kraft." (LE MONDE)

(کفرناحوم /CAPHARNAÜM ) Libanon/Frankreich/USA  2018; Regie/Co-Drehbuch: Nadine Labaki; Co-Buch: Jihad Hojaily/Michelle Keserwany/Georges Khabbaz/ Khaled Mouzanar: Produktion: Michel Merkt/Khaled Mouzanar; Musik: Khaled Mouzanar; Kamera: Christopher Aoun; Schnitt; Konstantin Bock; Darsteller*innen: Zain Al Rafeea (Zain), Yordanos Shiferaw (Rahil), Boluwatife Treasure ankole (Yonas), Kawsar Al Haddad (Souad), Fadi Yousef (Selim), Cedra Izam (Sahar), Nadine Labaki u.a.; DCP/1:2,39/Cinemascope/Farbe; DD5.1; OmU (arabisch/mehrsprachig/dtsch. UT); Sehenswert ab 14J.(filmdienst); FSK: ab 12 J.(o.A.) ; 126 Min.

EP: € 5.00
Mitglieder: € 3.00

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