WILHELM J. WAIBEL - Der Krieg hat ein Gesicht – Bomben auf Singen und den Hegau

09.12.2022 20:00

Fotos: Stadtarchiv Singen

Wir sind nun seit Wochen schon durch die Medien befasst mit den grauenhaften Ereignissen in der Ukraine: Dort heulen Sirenen, es fallen Bomben und Raketen auf die Bevölkerung:

Trümmer, Tote, Schwerverletzte sind das Resultat. Bisher waren solche schlimmen Ereignisse weit weg von uns; sie hatten uns nur am Rande betroffen. Heutzutage werden wir im Fernsehen laufend mit Bildern versorgt, die uns solche Kriegs-Ereignisse eindrucksvoll vor Augen führen. Aber – was haben denn Fliegeralarm, Bomben, Häusertrümmer eigentlich mit uns zu tun, mit uns, die wir seit Jahrzehnten wirklich in Frieden leben durften? Menschen – die wie ich – noch den 2. Weltkrieg miterlebt haben, werden schlagartig zurück versetzt in damalige Kriegsereignisse vor allem so ab 1943 bis 1945. Kinder erleben solche Situationen besonders schwerwiegend: Das eklig-kalte Geheul von Sirenen bleibt unauslöschlich im Gedächtnis, die Erinnerung steht an, wie Eltern die Nachkommen oft auch mitten in der Nacht bei Alarm aus dem Bett in den Keller, - im günstigsten Fall in einen Bunker – bringen mussten.

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Fotos: Stadtarchiv Singen

 

Auch wenn man die schlimmen, todbringenden Bombenangriffe auf unsere Großstädte – wie zum Beispiel Leipzig, Dresden, Hamburg – aber auch auf kleinere Städte z.B. mit Rüstungs-Industrie wie Friedrichshafen einmal außer acht lässt, dann hat dieser Bombenkrieg doch auch unsere nähere Heimat getroffen: Im Umfeld des Hegaus und des Bodensees – ja sogar in der nahen Schweiz – gab es Bombenangriffe und Abstürze von Kampfflugzeugen, die mich seit Jahrzehnten in meiner Arbeit als Heimathistoriker beschäftigen. Gespräche, Interviews mit von Angriffen betroffenen Bürgern haben hautnahe Erkenntnisse gebracht, und meine Briefkontakte mit an diesen Angriffen beteiligten Piloten der US-Air-Force haben zusätzlich auch die Gesamt-Tragik aufgezeigt.

Ich will bei meinem Vortrag nicht so sehr auf die materielle Bilanz solcher Angriffe eingehen: Im Vordergrund meiner Betrachtung stehen die betroffenen Menschen – Kinder und Erwachsene: Der Krieg hat ein Gesicht – ein blutiges Gesicht!
Wilhelm J. Waibel

Wilhelm Josef Waibel (*1934) war bis zu seiner Pensionierung 1997 leitender Angestellter bei der Singener Niederlassung der Georg Fischer AG und bei dem Konstanzer Pharmaunternehmen Byk Gulden. In den 1980er Jahren wurde er durch sein bürgerschaftliches Engagement gegen eine unerlaubte Bebauung bekannt.Seit 1961 erforscht er die Geschichte der Zwangsarbeiter, die während des II. Weltkriegs in Singener Unternehmen wie GF oder Maggi oder Alusingen eingesetzt wurden. Nach zunächst erheblichem Widerstand konnte er die Aufarbeitung und Veröffentlichung dieser „dunklen Flecke“ auf den Firmengeschichten durchsetzen. Er hielt Kontakt zu ehemaligen Zwangsarbeitern und initiierte 1993 die Städtepartnerschaft von Singen und Kobeljaky (Ukraine). 2016 wurde Waibel zum Ehrenbürger der Stadt Singen ernannt. Der ebenfalls aus Singen stammende Marcus Welsch drehte einen Dokumentarfilm (Der Chronist) über ihn, der im Oktober 2018 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vorgestellt wurde.

 

Der Vortrag kostet keinen Eintritt, um besser planen zu können, bitten wir Sie aber um Reservierung hier unter dem Reservierungslink oder telefonisch unter 07731 66557.

 

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert, und es wird durch die Singener Kriminalprävention (SKP) unterstützt.

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Ort: Kulturzentrum Gems, Mühlenstraße 13, 78224 Singen

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