COLD WAR

Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.

'WAS ES IST'  - VON DER LIEBE IN DEN ZEITEN DER GLOBALISIERUNG  #  9

Beste Regie - Int. Filmfestspiele Cannes 2018
Bester Schnitt Europäischer Filmpreis (Jury) + 5 Nominierungen
Bester fremdsprachiger Film New York Film Critics Circle Awards 2018
Nominiert für 5 Europäische Filmpreise

Unsere Weitwinkel-Reihe mit jüngeren Filmen des Weltkinos, die ungewöhnliche  filmische Ausdrucksfomen, oder erzählerische  Variationen für das menschheitsalte Thema und  Erzähl-Motiv der Liebe und ihre Facetten finden. Film # 9 setzt seinen Plot in sieben Lebenskapiiteln zwar in die zeithistorische  Phase zwischen 1949 und 1964,  sog. ‚Kalten Krieg‘zwischen Ost und West,  erzählt aber im Kern die Geschichte eines Liebespaares, für das Grenzen , innere und  äußere - bestimmende Momente bleiben: „Liebe ist Liebe,  und  das war’s.“(Zula)
Im vom Zweiten Weltkrieg gezeichneten Polen der Nachkriegsjahre ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Dem Kulturleben seines Landes möchte er so frisches Leben einhauchen. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula, von der Wiktor augenblicklich elektrisiert ist. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensemble. Witktor und Zula verlieben sich leidenschaftlich ineinander. Als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. Zwischen Heimat und Exil, zwischen Leidenschaft und Verlust sind Frankreich, Jugoslawien und Polen die Schauplätze der fatalen Liebe eines Paares, das vor dem Hintergrund des Kalten Krieges weder zusammen noch ohne einander sein kann... [ nach: Produktion ]
Regisseur und Co-Autor Paweł Pawlikowski (*1957‘Warschau) verließ Polen 1971 mit vierzehn Jahren zunächst nach Großbritannien, Deutschland und Italien, bevor er sich 1977 in Großbritannien niederließ. Er studierte Literatur und Philosophie in London und Oxford. Ab Ende der 1980er Jahre drehte er Dokumentarfilme für die BBC (darunter  FROM MOSCOW TO PIETUSHKI, DOSTOEVSKY’S TRAVELS, TRIPPING WITH ZHIRINOVSKY), die zahlreiche internationale Preise Auszeichnungen (einen Emmy und den Prix Italia) erhielten. 1998 wandte er als Autorenfilmer dem Spielfilm zu , u.a. mit den Kinoproduktionen LAST RESORT(2000), MY SUMMER OF LOVE (2004, mit Emily Blunt) und DIE GEHEIMNISVOLLE FREMDE (2011, mit Ethan Hawke und Kristin Scott Thomas) 2011. Sein letzter Film IDA (2014) – bei Weitwinkel zu sehen - gewann unter anderem 2015 den Oscar® als Bester nicht-englischsprachiger Film, fünf Europäische Filmpreise und andere Auszeichnungen. Pawlikowski kehrte mit den Dreharbeiten zu IDA 2013 nach Polen zurück und lebt derzeit in Warschau und unterrichtet Filmregie und Drehbuch an der Wajda School.
Zum Hintergrund seiner fiktiven (!) Figuren in seinem neuen Film schreibt er: „Ich mag es, Geschichten in starke Stücke zu destillieren, sie Seite an Seite zu packen und das Publikum die Geschichte entdecken zu lassen, ohne sich manipuliert zu fühlen. (   )Ich habe mein Leben lang im Schatten meiner Eltern und ihrer komplizierten Liebesgeschichte gelebt. [...] Zu ihren Lebzeiten fand ich es nur anstrengend. Aber nachdem sie 1989 gestorben waren – kurz bevor die Mauer fiel und der Kalte Krieg zu Ende ging – da hat sich das alles für mich geändert. Ich fand sie faszinierend, zwei sehr starke Persönlichkeiten aus sehr unterschiedlichen Familien. Ihre Beziehung war schlimm, aber auch unzerstörbar. Das ist doch die Matrix für eine Liebesgeschichte. Am Ende ist die große Frage: Ist eine Liebe möglich, die hält? Kann sie das Leben, die Geschichte, die Welt übertreffen?“_(Pawel Pawlikowski)

"Von außen kommt die Entfremdung - über die Jahre und quer durch die Systeme: Pawlikowskis COLD WAR ist ein filmisches Ereignis der Extraklasse, dessen einziger Makel seine Kürze ist. Die Verdichtung, nachgerade Markenzeichen des Films, belebt eine vergessene Kunst des Kinos wieder."_(taz)
„Pawlikowskis Filme erzählen vom Unbedingten und dem Kompromiss. Sie beziehen ihre Spannung aus der Anziehung gegensätzlicher Lebenseinstellungen. (...) Die Schwarz-Weiß-Bilder bleiben grundiert in einer Enge, die Sehnsüchte schürt. Ein Meisterstück erzählerischer Konzentration, dem es gelingt, seinen Protagonisten unverbrüchlich treu zu bleiben und zugleich tragenden NebenfigurenRaum zu geben."_(epd-film)
„Ruhig, klassisch zentral komponiert, und im schmalen Akademieformat ist [den Filmbildern] ein Alltagsglamour zu eigen, der an den italienischen Neorealismus erinnert und an die Bildsprache des osteuropäischen Nachkriegskinos. Parallel zur immer komplizierteren Liebe werden auch die Bildkompositionen raffinierter."_(Tagespiegel)

(ZIMNA WOJNA)  Polen/Großbritannien/Frankreich 2018; Regie/Story/Bildgestaltung: Paweł Pawlikowski; Drehbuch: P. Pawlikowski/Janusz Głowacki in Zusammenarbeit mit Piotr Borkowski; Kamera: Łukasz Żal; Szenenbild:Katarzyna Sobańska, Marcel Sławiński; Kostüm: Aleksandra Staszko; Maske: Waldemar Pokromski ; Schnitt:Jarosław Kamiński; Produzentinnen Tanya Seghatchian, Ewa Puszczyńska; Produktion: Opus Film, Apocalypso Pictures, MK Production;
Jazz und Song Arrangements: Marcin Masecki; Mit: Joanna Kulig /Zula), Tomasz Kot (Wiktor), Borys Szyc, Agata Kulesza, Cédric Kahn, Jeanne Balibar, u.a. DCP/1:1,33; S/W; DD5.1; OmU (polnisch/englisch/dtsch. UT.); FSK:  ab 12J. ;  89 Min.

EP.: € 5.00
Mitgl.: € 3.00

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